Was ist altern?
Man sagt, Alter sei nur eine Zahl. Und das stimmt. Die Frage, ob und ab wann jemand alt ist, lässt sich nicht beantworten, denn das ist eine rein subjektive Empfindung. Man ist nur so alt, wie man sich fühlt.
Seit Jahren steigt die durchschnittliche Lebenserwartung. In Deutschland liegt die Lebenserwartung für im Jahr 2021 geborene Mädchen bei über 83 Jahren und für Jungen bei über 78 Jahren. Die maximale Lebenserwartung liegt nahezu konstant bei etwa 120 Jahren.
Alter und Altern sind jedoch zwei verschiedene Dinge. Das Alter ist zunächst nur eine Zahl und wird oft subjektiv beurteilt. Altern hingegen ist ein Prozess, der beobachtet und wissenschaftlich beschrieben und definiert werden kann. In der Alternsforschung wird Altern als fortschreitender Verlust der physiologischen Integrität definiert, der zu funktionellen Beeinträchtigungen und einer erhöhten Sterbewahrscheinlichkeit führt [López-Otín et al. 2013].
Klassische, nachweisbare Alterungsprozesse wie das Auftreten von Falten und die Abnahme von Leistungsfähigkeit und Ausdauer treten etwa ab dem 20. Lebensjahr auf. Wie schnell und kontinuierlich der Alterungsprozess voranschreitet, wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Genetische Faktoren bestimmen den Alterungsprozess eines Menschen zu etwa 10-15 Prozent [Melzer et al. 2020]. Weitere Faktoren sind der individuelle Lebensstil und äußere Umwelteinflüsse.
Was passiert in unserem Körper, wenn wir älter werden?
Jeder kennt die klassischen, sichtbaren Zeichen des Alterns. Ältere Menschen brauchen eine Lesebrille, bekommen graue Haare, die Gelenke werden steifer. Aber schon ab dem 20. Lebensjahr können sich viele klassische Alterserscheinungen am menschlichen Körper bemerkbar machen.
Falten werden sichtbar, weil die Haut durch den Verlust von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure an Elastizität verliert. Die Ausdauer lässt nach, weil die Produktion der Lungenbläschen abnimmt, was zu einem geringeren Atemvolumen und weniger Sauerstoff im Blut führt. Die Zahl der Haarzellen in der Hörschnecke (Cochlea) nimmt ab, was zu einer zunehmenden Schwerhörigkeit bei hohen Tönen führt. Lebensjahr nimmt die Fruchtbarkeit bei Frauen und der Testosteronspiegel bei Männern ab [Belsky et al. 2015].
Etwas später nimmt auch bei Männern die Spermiendichte ab. Lebensjahr nimmt die Elastizität des Knorpels langsam ab und bestimmte Bewegungen werden schwieriger. Auch die Bandscheiben werden dünner. Ab dem 35. Lebensjahr werden die ersten grauen Haare sichtbar, da die Melaninproduktion nachlässt und später ganz aufhört. Etwa ab dem 40. Lebensjahr verdickt sich die Augenlinse und verliert an Flexibilität (Alterssichtigkeit), das Lesen fällt schwerer.
Ab dem 55. Lebensjahr nimmt der Muskelabbau zu und der Körper verschiebt sein Muskel-Fett-Verhältnis in Richtung Fett. Der Alterungsprozess macht sich nun durch die Verkalkung der Blutgefäße bemerkbar, wodurch der Blutdruck steigt. Die ersten Organe wie Niere und Leber beginnen weniger effizient zu arbeiten, wodurch die Entgiftung des Körpers verlangsamt wird. Mit zunehmendem Alter treten vermehrt neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz (z.B. Alzheimer), Parkinson, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs auf, um nur einige der häufigsten altersbedingten Erkrankungen zu nennen [Bektas et al. 2018, Lakatta et al. 2003, Partridge et al. 2018].