Vitamin-D-Substitution in der kalten Jahreszeit
Gerade in der Winterszeit wird von Experten empfohlen, Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Das macht aus wissenschaftlicher Sicht durchaus Sinn. Durch den Sonneneinstrahlwinkel in unseren heimischen Breiten, kann in der Zeit von Oktober bis März der UV-Index von 3 und höher nicht erreicht werden. Je nördlicher wir beheimatet sind (z.B. Bonn, Berlin) gilt dies auch im April noch. Um Vitamin D über die Haut zu produzieren ist jedoch ein UV-Index von mindestens 3 erforderlich. Im Winterhalbjahr geraten wir daher leicht in eine Vitamin-D-Mangel-Situation.

Nehmen wir Vitamin D über die Nahrung auf?

„Moment mal!“, höre ich Sie sagen – „Vitamine und andere Mikronährstoffe nehmen wir doch über die Nahrung auf!?“.

Prinzipiell haben Sie recht. Vitamin D ist jedoch nach neueren Erkenntnissen kein Vitamin, sondern eine Hormonvorstufe, die wir nur in sehr geringen Mengen über Nahrungsmittel zuführen können. Die beste Nahrungsquelle für Vitamin D wären Pilze. Champignons zum Beispiel, können ebenso wie wir Menschen in 30 Minuten 20.000 Einheiten Vitamin D produzieren, wenn sie der Sonne ausgesetzt sind. Der feine Speisepilz wächst jedoch ganz ohne die Einwirkung von Sonnenlicht, so dass die meisten gekauften Pilze, die ja aus großen Zuchtkulturen stammen, eben kein Vitamin D enthalten.

Die geringen Möglichkeiten zur Vitamin-D-Aufnahme über Lebensmittel spiegelt sich auch in den Empfehlungen der DACH-Gesellschaften für Ernährung wieder, die eine Aufnahme des fettlöslichen Sonnenvitamins von 800 Internationalen Einheiten (=IE) täglich für physiologisch halten. Der Großteil des Vitamin-Hormons sollte ja über den Kontakt unserer Haut mit Sonne selbst produziert werden.

Weit verbreiteter Mangel

Dass wir das im Winter nicht können, ist eine Ursache für den weit verbreiteten Mangel an Vitamin D: Mehr als 80  der Bevölkerung im deutschsprachigen Raum weisen zu niedrige Vitamin-D-Blutspiegel auf.

Ein weiterer Grund: Auch im Sommer haben wir kaum Gelegenheit, unsere Haut großflächig und ungeschützt der Sonneneinstrahlung auszusetzen.

Folgende Faktoren reduzieren die körpereigene Vitamin-D-Produktion:

  • Aufenthalt in Innenräumen (z. B. Büro)
  • langärmelige Kleidung
  • Verwendung von Sonnenschutz- und Hautpflegeprodukten

Schon ein Lichtschutzfaktor von 5 verhindert die Vitamin-D-Bildung vollständig.
Vitamin D beeinflusst nicht nur die Knochengesundheit, sondern ist auch mitverantwortlich für Erkrankungen wie:

  • Metabolisches Syndrom
  • Cholesterin-Dysbalancen
  • Tumorerkrankungen
  • Demenz
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Daher empfehlen viele Experten eine ganzjährige Supplementierung.

Kälteempfindlichkeit und Vitamin D

Was hat es mit Vitamin D und der Kälteempfindlichkeit auf sich?
Manche Menschen klagen unter neu erfolgter Vitamin-D-Einnahme über vermehrte Kälte-Empfindlichkeit.

  • Kann das sein?
  • Oder liegt es nur daran, dass die Einnahme meist im Winter erfolgt?

Tatsächlich ist das eine mögliche Nebenwirkung der ansonsten sehr gut verträglichen Vitamin-D-Supplementierung. Damit die Vitamin-D-Hormon-Vorstufe im Körper aktiviert werden kann, muss sie durch Leber und Niere umgewandelt werden. Dabei werden in mehreren Schritten größere Mengen Magnesium verbraucht.

Anti-Stress-Mineral Magnesium

Da Magnesium auch bei der Synthese von Stresshormonen verbraucht und im Stress zusätzlich vermehrt über die Nieren ausgeschieden wird, befindet sich Magnesium besonders in herausfordernden Zeiten bei vielen Menschen eher im unteren Bereich der gemessenen Werte. Da die wenigsten Messungen für das Mineral im Vollblut, also IN der Zelle erfolgen, wird das kaum sichtbar. Erfolgt auf ohnehin knappen Magnesium-Ressourcen eine Vitamin-D-Supplementierung und damit eine erhöhte Anforderung an die Magnesium-Speicher, kann dies zu Mangel-Situationen im Körper führen.

Häufige Anzeichen für Magnesium-Mangel können Frösteln, Muskelzucken oder Wadenkrämpfe sein.

Vitamin D & Magnesium

Es kann sich daher als sinnvoll erweisen, zur Vitamin D-Einnahme auch Magnesium zu substituieren. Insbesondere, wenn im Rahmen der Vitamin-D-Einnahme ein intensiviertes Kälte-Empfinden auftritt, sollte die Magnesium-Zufuhr überprüft werden. Da Vitamin D ohne den Co-Faktor Magnesium wirkungslos bleibt, lohnt sich die Einnahme von 300-400mg Magnesium pro Tag zur Vitamin-D-Substitution allgemein.

Weitere Tipps für die Vitamin-D-Substitution:

  • Laut aktueller Studienlage benötigt ein 70 kg schwerer Erwachsener zwischen 4000IE und 6000IE Vitamin D täglich
  • Die Einnahme des fettlöslichen Vitamins sollte in Form von Öl-Tropfen-Lösungen oder Öl-Kapseln zu einer Hauptmahlzeit erfolgen
  • Regelmäßige (tägliche) Anwendungen sind wöchentlichen Gaben in höherer Dosierung vorzuziehen
  • Ohne therapeutische Verordnung sollte eine Einnahme von 10.000 IE pro Tag nicht überschritten werden
  • Die Ergänzung von Co-Faktoren wie Magnesium, Vitamin A oder Vitamin K sollte geprüft werden

Literatur: Uwe Gröber / Michel F. Holick, Vitamin D Die Heilkraft des Sonnenvitamins, 4. Auflage, 2020, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Portraitaufnahme von Heilpraktikerin und Gesundheitsexpertin Christine Baumann

Über den Autor
Christine Baumann ist Heilpraktikerin in eigener Praxis im niederbayerischen Rottal. Ihr therapeutisches Spektrum verbindet Pflanzenheilkunde, Spagyrik, Homöopathie, manuelle Therapien und andere Verfahren aus der Traditionellen Abendländischen Medizin mit modernen Ansätzen aus anthroposophischer und orthomolekularer Medizin, sowie Ernährungstherapie. Praxisschwerpunkte sind Frauengesundheit, Darmgesundheit, Stoffwechsel und Immunsystem.

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